+ Dokumentarfilm + 'Walls - a Photographer between the Lines' (88 min, OmU, 2013) +

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Israel und die besetzten Gebiete, Belfast, Baghdad, Ceuta, Zypern, die Grenze zwischen den USA und Mexico. Kai Wiedenhöfer hat eine Mission. Er will die Mauern der Welt fotografieren, zeigen was ein Betonwall aus Menschen macht. Mit seiner Panoramakamera geht er dorthin, wo Gummigeschosse, Tränengas und Strassenschlachten zum Alltag gehören. Er trifft auf Migranten, Drogendealer und engagierte Menschenrechtler. Immer wieder aber auch auf bewaffnete Soldaten und aggressive Grenzpolizei. Gegen viele Widerstände versucht er sich seinen Traum zu erfüllen.

Kai Wiedenhöfer möchte seine Panoramafotos auf die weltbekannte 'East Side Gallery' in Berlin zu bringen. Jahrelang kämpft er dafür. Im Sommer 2013 kommt es in seiner Wahlheimat zum Showdown. Die Dokumentation „Walls – a Photographer between the Lines“ hat Kai Wiedenhöfer - der einst Zeuge des Berliner Mauerfalls wurde - über neun Jahre lang begleitet.

'Klare Kante': "Wir brauchen Stoff!" - Ab zum Impfen (2)

Ein Kommentar von Fred Kowasch

01.12.2021
"Ist Ihnen nicht gut?!" Der ältere Herr vor mir kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Irgendwie klemmt er sich mit seinem rechten Arm am Türrahmen fest. Mehr als eine Stunde hat er gewartet, in wenigen Minuten soll er seine dritte Impfung kriegen. Dem Mann, vielleicht Mitte Siebzig, zittern die Hände. Ihm scheint es nicht wirklich gut zu gehen.  "Gehen sie auseinander! Sie hier hin, sie dort hin, sie da hin. Gut so!" 

In der Regel lass ich mir so etwas nicht bieten. Wäre schon längst gegangen. Auch weil die Menschen in diesem Krankenhausflur (in einer Kleinstadt im Westen) viel zu dicht stehen. Immerhin: sie tragen Masken. Auch wenn manch einer hier ziemlich deutlich durch die Gegend schreit. "Wir brauchen Stoff!" ruft eine Krankenschwester. Der Herr hinter mir sagt: "Dass fällt denen aber früh ein ...."

Eigentlich hatte ich vor ein paar Tagen über das Onlineportal der Stadt einen Termin gebucht. Weil ich einen 'Tipp' bekommen hatte. Nach zwei Minuten erschien auf dem Bildschirm: Montag 13:15 Uhr. "Kommen sie aber bitte fünf bis zehn Minuten vorher ...." hieß es in der Mail im eletronischen Postfach.

Letztendlich stehe ich dann doch in einer zweireihigen Schlange. Ob man einen Termin gemacht hat, interessiert hier Niemanden. Egal. Andere sind noch schlechter dran. Ein Bekannter berichtet aus dem Osten von Dutzenden Menschen, die stundenlang im Wind und Kälte stehen. Kein Dach über dem Kopf, Regen inklussive. In Hamburg gar wurde am Sonntag ein zentraler Impftermin gestrichen - die Stadtverwaltung hatte den Termin schlicht vergessen.

Solche Geschichten hört man landauf, landab. Als ob die 3. Impfung - auch Boostern genannt - wie ein schweres Unwetter über das Land hineinbricht. Wieder einmal haben die deutschen Gesundheitsbehörden geschlafen. Wieder einmal hat Jens Spahn versagt.

"Diese gesamte Regierung müsste man verklagen!" schreibt ein Freund. Ich antworte ihm nur, dass dies längst nichts mehr bringt. Bekanntermassen sind die CSU- und CDU-Politiker, die an internen Maskendeals im Frühjahr 2020 Millionen an Provision erhalten hatten, auch straffrei davongekommen. Den Rest meiner Antwort lass ich lieber weg. Mir reicht eine Wohnungsduchsuchung vor mehr als 30 Jahren .... 

Immerhin: in der Öffentlichkeit wird nun die Einführung einer Impfpflicht diskutiert. Wahrscheinlich wird es sie auch geben. Weil man gewissen Leuten in Bayern, Sachsen und Thüringen mit rationalen Argumenten nicht mehr beikommen kann. Natürlich schützt eine Impfung vor wesentlich schlimmeren Coronafolgen. Ein absolutes Allheilmittel ist aber auch sie nicht. Und: Dummheit, Starrsinn, Borniertheit gab es schon immer. In der Regel sind es jetzt die Lautesten, die später dann nach dem Staat, nach Hilfe auf einer Intensivstation schreien.

Wir werden unser Leben in den nächsten Jahrem umstellen müssen. Daran führt kein Weg dran vorbei. FFP-2 Masken beim Einkaufen, im Nah- und Fernverkehr, auf Flügen. Weihnachtsmärkte und das Rumgröhlen in Fußballstadien fällt ebenso aus, wie Pogo auf Punkkonzerten oder das innige Schunkeln auf Karnevalsveranstaltungen. 

Wir werden lernen müssen mit Corona zu leben. Ob es uns nun passt oder nicht. Je eher wir dies realisieren, uns darauf einstellen, unser Leben ändern, desto besser kommen wir aus der Sache raus.

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