Triathlon - Wie 2020 ein 'Jedermann' zum Finisher werden kann

triathlon ratingen2 2018Einmal über die Ziellinie laufen, ein 'Finisher' werden. Dies ist möglich, egal in welcher Saison. Ab dem Frühjahr starten überall die Anmeldungen, da finden sich Startplätze für Jeden. Nur nicht zu spät buchen. Denn: Triathlon ist 'in'. 

Für Einsteiger zu empfehlen sind die Wettkämpfe in Velen, Kallinchen, Borken und Krefeld. Auch weil hier nicht unbedingt abgezockt wird, wie bei den Veranstaltungen in Hamburg, Düsseldorf oder Köln. Hier wird - zum Beispiel - auch der sogenannte Schnuppertriathlon (0,2/0,3 Schwimmen - 9-15 km Rad - 2,5 bis 4 km Laufen) angeboten. Das ist mit etwas Trainingsaufwand durchaus machbar.

Ein wenig Sport sollte man bisher allerdings schon gemacht haben. Wer für sich allein 400 Meter Schwimmen kann, kürzlich mal drei bis fünf Kilometer gelaufen ist und mit dem Rad zur Arbeit fährt oder regelmäßig durch die Stadt crosst - dem winkt 2020 ein begehrtes Finisher-T-Shirt oder eine Medaille. Allerdings: ohne 'Biss' geht es nicht!!

Ihr könnt euch auch an längeren Distanzen versuchen. Mehr als eine Badehose (Bikini oder Badeanzug), ein Rennrad (zur Not auch mit Einkaufkörbchen) und ein paar Turnschuhe (nicht zu abgelatscht) braucht ihr als Anfänger nicht. Den Trainingsumfang sollte man zum Wettkampf hin kontinuierlich steigern. Zwei bis eine Woche zuvor empfielt sich durchaus auch mal ein sogenanntes Koppeltraining. 30 bis 45 Minuten Rad, danach schnell in die Laufschuhe rein und 20 bis 30 Minuten joggen. Auch wenn es weh tut, es lohnt sich. Drei bis zwei Tage vor dem Wettkampf dann einfach mal nix mehr machen.

Mein erster Triathlon: Frodeno, Sinnfragen und das erste Mal

jenna_triathlon_2011Warum mache ich das? Warum springe ich am frühen Sonntagmorgen in ein dunkelgrünes, kaltes Hafenbecken? Auf dem Ponton des Düsseldorfer Medienhafens, Minuten vor dem Start stelle ich mir Sinnfragen. Die gelbe Badekappe sitz irgendwie nicht, meine Füße sind Eisklumpen und die Konkurrenz brabbelt aufgeregt vor sich hin. Ich trage Bikini, 130 andere Neoprenanzug.

Ich weiß weder, ob ich rechts oder links um die viel zu weit entfernt scheinenden Bojen schwimmen, noch wie viele Runden ich irgendwann später mit meinem Fahrrad drehen soll. Der Wettkampfbesprechungs-Mann brüllt etwas von „zwei Laps“, die Frau neben mir glaubt an drei und ich war optimistisch davon ausgegangen, dass wir nur eine Runde fahren müssen.

Düsseldorf richtet zum ersten Mal einen Triathlon rund um den schicken Medienhafen aus. Ich bin bei der Sprintdistanz dabei - die Stadt und ich feiern quasi gemeinsam Triathlon-Premiere. Dabei mögen wir uns eigentlich gar nicht. Immerhin: Jan Frodeno ist hier am Start, den mag ich. Er ist Elite, ich Jedermann. Aber wir müssen beide in die Brühe - das verbindet.

750 Meter - unter mir grünes Wasser, zu nah neben mir kraulende Arme und schlagende Beine. Zweimal bekomme ich kräftig eins auf die Nase, dann habe ich mich frei geschwommen. Oder die anderen sind schneller. Um das herauszufinden, fehlt mir Zeit und Motivation. Auf jeden Fall hab ich nach ein paar hundert Metern Platz und kraule den gelben Badekappen vor mir hinterher. Unter der Fußgängerbrücke geht es durch, dann um die zwei riesigen Bojen und Richtung Landzunge und den Fahrrädern.jenna4_triathlon_2011

Am Schwimmausstieg ziehen mich trockene Hände aus der Brühe, ab geht es in die Wechselzone. Hinrennen und das eigene Fahrrad in der vollen, an Rennrädern nicht armen Zone, zu finden ist die nächste Herausforderung. Gazelle gefunden, Badekappe und Schwimmbrille gegen Fahrradhelm und Turnschuhe tauschen. Schnell Hose und T-Shirt drüber. Mein Nachbar schält sich nur langsam aus seinem Neoprenanzug, die Zeit über ihn zu grinsen nehme ich mir.

Endlich auf dem Fahrrad geht es mit Karacho über die Rheinkniebrücke am anderen Ufer entlang, über die Oberkasseler Brücke und am holprigen Rathausufer wieder zurück. 20 Kilometer Radfahren, dass macht auf dem Düsseldorfer Kurs für die Sprintdistanz dann doch drei Runden. 

Für mich, andere ähnlich Orientierungslose und Leute mit Sauerstoffmangel gibt es Wegweiser und Helfer, die versuchen Verfahren unmöglich machen. „Super“ und „Weiter so“ schreien die Zuschauer von der Seite, mein Vater, irgendwo am Rand, brüllt: „Du trittst zu dick!“ Runterschalten, Wasser trinken. Von hinten höre ich ab und zu ein „Links!“, wenn eine gebückte schwitzende Gestalt zum Vorbeirauschen antritt. Das Feld zieht sich immer mehr auseinander. Langsam beginnt der Triathlon Spaß - und müde zu machen.

Nach dem Rad ist vor dem Laufen. Noch mal geht es rein in die Wechselzone und ohne Fahrrad wieder hinaus. Auf der Laufstrecke, kreuz und quer durch den Medienhafen, wummert Chartsmusik aus den Boxen. Bei einem gefühlten Puls von 170 motiviert mich sogar Rihanna - auf den letzten fünf Kilometern überhole ich fleißig. Beim Laufen läuft's endlich mit der Triathlon-Premiere. Bei einer Stunde und 29 Minuten sprinte ich lächelnd ins Ziel, da wartet auch die Antwort auf mich. Warum machst du das? Weil‘s Spaß macht.

Jenna Zita Günnewig
Juli 2011

 

 

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