Keiner musste etwas nehmen - Wie ich das Doping in der DDR erlebt habe (Reblog)

Unwissende 'Doping-Opfer'? - Ein persönlicher Brief zu einer aktuellen Diskussion

"Sehr geehrter Herr Treutlein,

Sie kennen mich sicher noch. 'Doping im Westen'. Sportschau, Tagesschau, Tagesthemen, Sport inside ....
 
Ich wollte Ihnen gratulieren für Ihren 'Offenen Brief'. Auch wenn ich nicht jeder Formulierung teile, so spricht der Brief doch Sachverhalte an, die ENDLICH auf die Tagesordnung gehören.
 
Sie werden es sicher nicht wissen, aber vor meiner Zeit als Journalist habe ich Leistungssport gemacht. Als Leichtathlet bei der SC DHfK in Leipzig. Und zwar in der Zeit von 1979-1981 in Leipzig. 14-15 Jahre war ich damals alt. Uns war damals allen klar, da kommen später mal Sachen, die leistungssteigernd sein werden. Dass war ein 'Offenes Geheimnis'. Ich - für mich - hatte entschieden, nicht zu betrügen. Allerdings kam ich gar nicht in Bedrängnis, da meine Leistungen stagnierten und ich keinen 'Leistungsauftrag' mehr bekam. 

Nach einem Probetrainung beim Radsprort (Sprint/Bahn) wollte man mich dort nehmen. Ich habe abgelehnt. Erstens fühlte ich mich damals wirklich 'ausgebrannt'. Zweitens wollte ich Trampen und den 'Mädels hinterhersehen'. Drittens hatte ich keinen Bock auf Doping. Dass dies kommt, war mir klar. 

Zwischendurch unterhielt ich mich mit einer früheren Banknachbarin aus der Grundschule. Sie berichtete mir von ihren Dopingpraktiken. Da war ich ziemlich von geschockt. Sie war Schwimmerin und wurde - im Alter von 9/10 Jahren von ihrem Trainer regelrecht erpresst. Der kam zu ihr - so sagte sie mir damals - informierte die Eltern über Doping. Sagte, wenn sie nicht mitmachen würde, müsste sie die Trainingsgruppe verlassen.
 
Was ich damit sagen will: vielen war bekannt, dass sie etwas nehmen. Sie befanden sich oft in existenziell schwierigen Lagen. Und: nicht jeder hat so einen Dickschädel wie ich.
 
Vor einiger Zeit berichtete mir ein ehemaliger Trainingskollege, wie die Dopingmitteleinnahme (und - kontrolle) später bei den Leichtathleten des SC DHfK erfolgte. Dass es dort spezielle Ärzte dafür gab, nicht wenige von den Zuständen wussten. 

Die Vergabe mit den Vitaminpillen (und -Tütchen) die ich im Alter von 15 Jahre bekam, ordne ich eher unter die Rubrik 'unverhältnismässig' ein. Auch ich habe sie bekommen, unregelmässig genommen. Es waren - unter anderen - dass sogenannte 'Sumafit forte'. Hatte es meiner Mutter mal gegeben, die Ärztin war. Körperliche Veränderungen stellte ich da nicht fest. Auch wurde diese Vergabe von unserem Trainer nicht kontrolliert.
 
Ich frage Sie: wenn dies die Dopingmittel gewesen sein sollen, was macht dies für einen Sinn? Wenn ich sie unregelmässig nehme, der 'Erfolg' nicht kontrolliert worden ist. Die DDR war eine Diktatur. Da passierte NICHTS ohne Kontrolle. So etwas schon gar nicht ....
 
Machen Sie - und Ihre Mitstreiter - auf ihren Weg weiter! Kann dies nur unterstützen.

Viele Grüße
Ihr Fred Kowasch

16. November 2018" 

Tags: DOH, Sportausschuss, Deutscher Bundestag

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