Borderlands/ Grenzgänge (ZDFinfo, 3sat - 43min, TV-Version)

Mit der Kamera zwischen den Fronten (DOKU)

Grenzhandel in Ceuta (Foto: Kai Wiedenhöfer, März 2009)

Steine und Gummigeschosse bei Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten an der Mauer im Westjordanland. Polizeigewalt beim Grenzhandel zwischen der spanischen Enklave Ceuta und Marokko. Betrunkene Teenager, die auf den Straßen von Belfast nach der Kamera greifen: Die Arbeit des mit zwei World Press Awards ausgezeichneten Fotografen Kai Wiedenhöfer spielt sich in Extremen ab. Fred Kowasch hat ihn bei diesen Grenzgängen begleitet.

Ausland

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Sieben Cents - WM-Riots in Brasil

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von Fred Kowasch - update

7 Cents. Um ungerechnet 7 Cents wurden vor Kurzem in Brasilien die Buspreise angehoben. Das mag für Deutsche lächerlich wenig klingen, für die meisten Brasilianer ist es das nicht. Müssen sie sich doch täglich mehrfach durch das Metallkreuz am Eingang quälen, sich in die meist unpünklich fahrenden und proppe vollen Busse quetschen. Bei weniger als 300 Euro Durchschnittverdienst fällt eine Fahrpreiserhöung - bei täglich mehreren Touren - durchaus ins Gewicht.

Der Frust im Land ist groß, auf Begeisterung für die kommende WM trifft man in Rio de Janeiro fast nie. Auch wenn die bunten Bilder, der ausländischen TV-Stationen hier oft etwas anderes vermitteln. Meist ist die Rede von den enorm kostspieligen Investitionen in die WM-Bauten, von einer allgegenwärtigen Korruption, gegen die man nichts machen kann. Hinzu kommt eine Bürokratie, gegen die deutsche Beamtentum fast noch ein Segen ist. Wer dort mal einen Inlandsflug buchen oder ein Konto eröffnen wollte, weiß das. Darüber hinaus befinden sich die Lebensmittelpreise in den Supermärkten - zumindest in Rio - längst in einer europäischen Dimension.



Es gibt wohl kaum eine Stadt, in der Reichtum und Armut so eng aufeinander treffen, wie in der malerischen Metropole am Zuckerhut. Hier die weltgrösste Favela Rocinha, wenige Hundert Meter ein luxioriöser 'Gavea Golf and Country Club' mit mehreren Hektar an kurzgeschnittenen Grün. Dort, das Luxushotel Royal Tulip am Atlantik. Direkt gegenüber, einer der schönsten Strände von Rio, fest in Favela-Hand. Touristen habe ich bei meinem Besuch hier nicht gesehen.

Mit den Demonstrationen der letzten Tage hat in der sechstgrössten Wirtschaftsmacht der Erde wohl kaum einer gerechnet. Sicher nicht die Staatspräsidentin 'Dilma', die bei der Eröffnungsveranstaltung zum Confed-Cup gnadenlos ausgebuht worden ist. Doch ihr Stern ist im Sinken. Zwar hat sie einige korrupte Minister aus ihrem Kabinett entfernt, geändert hat sich in den Augen vieler Brasilianer aber grundsätzlich nichts. Hinzu kommt eine Polizei, die im Prinzip machen kann, was sie will. Das Gummigeschosse, Knüppel, Reizgas und Hochfrequenzlautsprecher jedoch keine passende Antwort auf die berechtigten Proteste sind, dürfte einleuten. Für den nächsten Donnerstag, da soll im Maracana das Confedcupspiel Spanien-Thaiti stattfinden, ist eine weitere Demonstration geplant. Die Veranstalter - die dazu über Facebook aufrufen - wollen 1 Million Menschen auf die Strasse bringen.
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sport inside: 'Ehrenwerte Gastgeber'

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Film von Fred Kowasch und Carsten Upadek
(sport inside - WDR - 15.04.2013 - 22:45 Uhr)

Brasilien fiebert der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land im nächsten Jahr entgegen, groß ist auch die Vorfreude auf das Vorbereitungsturnier, den Confed-Cup, in diesem Sommer. Die brasilianischen WM-Organisatoren möchten sich gut präsentieren, doch zwei Monate vor dem Auftakt zum Confed-Cup überschatten Anschuldigungen gegen führende Persönlichkeiten des brasilianischen Fußballs den Sport. Es geht um den ehemaligen Verbandspräsident Ricardo Teixeira und seinen Nachfolger José Maria Marin, der den CBF heute leitet, einen der mächtigsten Fußballverbände der Welt.
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Brasiliens Fußballboss José Maria Marin muß sich den Fragen stellen (Screenshot: interpool.tv)

Teixeira, der im Weltverband FIFA lange Zeit die rechte Hand von Joseph Blatter war, musste im vergangenen Jahr wegen Korruptionsvorwürfen zurücktreten. Bei der Vergabe von TV-Lizenzen soll er mitkassiert haben – mindestens neun Millionen Schweizer Franken. Eine politische Untersuchungskommission soll das Korruptionsgeflecht aufklären. Teixeira hat sich nach Miami in die USA abgesetzt, soll von dort aber immer noch Kontrolle über den CBF ausüben. Der neue Verbandspräsident Marin wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Zu Zeiten der Militärdiktatur (1964 bis 1985) hat er sich nach oben gedient und soll mit verantwortlich sein für den Tod eines Journalisten. Die Diskussion schlägt in Brasilien hohe Wellen. Vor allem da sich der populäre Ex-Stürmerstar Romario, der heute als Abgeordneter im brasilianischen Parlament sitzt, den Fall Marin zur persönlichen Aufgabe gemacht hat. (Text WDR)
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WM 2014: Ist Rio sicher?

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vnachts in rioon Fred Kowasch

Sie kommen im Morgengrauen. Mit Sturmgewehren und Panzerfahrzeugen. Im Schlepptau die Presse. Es sind immer die gleichen Bilder, wenn das brasilianische Militär in Rios Favelas einrückt. In der Regel wissen die Anwohner Bescheid. Weil es Tage vorher in der Zeitung steht. Die Drogendealer sind längst über alle Berge, sprich in anderen Armenviertel der acht-Millionen-Metropole am Atlantik aktiv.

An die 30 Favelas gelten mittlerweile als 'befriedet'. Rio hat - geschätzt - fast 1.000. Es ist mittlerweile fast so etwas wie ein Touristensport geworden: ein Rundgang durch eine der Armensiedlungen. In der Regel passiert dies nur in Santa Marta, die mitten in der als sicher geltenden Zona Sul liegt. Man kann verstehen, dass dieser zooähnliche Rundgang nicht von allen Anwohnern mit Freude betrachtet wird.

Ist Rio sicher? An einigen Stellen schon. Wer sich am Freitag/Samstag Abend ins Vergnügungsviertel nach Lapa aufmacht, sollte jedoch Einiges beachten. Keine Kameras und Handys, keine Kreditkarten, wenig Bargeld. Besser ist es auch ein Taxi zu nehmen. Auch wenn die in Rio gern mal ein paar Umwege fahren, wenn sie merken, dass ein Tourist als Fahrgast zugestiegen ist.
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Geschichten aus Rio: Jeden Tag 'Silberstaub'

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Wie am Thyssen-Werk die Menschen leiden

Es gibt als Reporter nur wenige Tage, die Du schwer vergisst. Nach mehrstündiger Fahrt sind wir rund 50 km westlich von Rio in Santa Cruz am deutschen Thyssen-Werk angekommen. Das Werk dürfen wir nicht filmen, machen es aber trotzdem. In nur drei Stunden vor Ort treffen wir zahlreiche Anwohner. Einen Fischer, der uns eine Handvoll Silberstaub zeigt. Silberstaub, der hier jeden Nachmittag von Himmel fallen soll. Wir lernen ein 15-jähriges Mädchen kennen, dass täglich auf Medikamente angewiesen ist, einen Arbeiter der in Kürze seinen Krebs behandeln muß, eine Familie die Nachts vor Lärm nicht mehr schlafen kann. Und dies alles, seitdem ein deutscher Konzern hier vor fünf Jahren ein Stahlwerk errichtet hat. Als wir zurückfahren, berichtet uns eine ältere Frau im Bus von ihrem Nasenbluten, seitdem das Werk steht. Wir werden wieder kommen und wieder filmen. Hier läuft mächtig etwas schief.    

kind vor thyssenwerk in brasilJunge vor dem Thyssenwerk in Santa Cruz. Westlich von Rio de Janeiro, Brasil.
Screenshot: interpool.tv Videomaterial (Fred Kowasch)

update:
Momentan übersetzen wir die zahlreichen Interviews, die wir in Santa Cruz geführt haben.
Danach wollen wir aus dem Drehmaterial einen kurzen Trailer schneiden.
Er soll helfen Geldgeber zu finden, die es uns ermöglichen, diese umfassende Recherche weiter zu betreiben.
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Amazonien: Hoffen auf die Krieger

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von Carsten Upadek, Amazonien

Mindestens noch einmal drei Stunden Fahrt hat Sônia Magalhães vor sich. Dabei ist die Anthropologin gerade erst mit dem Flieger aus Belém, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Pará, in Altamira angekommen. Jetzt geht es mit dem Motorboot weiter zu einem Dorf des Indio-Stammes Juruna. Das Gebiet ist nur auf dem Wasser zu erreichen. Es liegt in der „großen Beuge“ des Flusses Xingu, jener Seitenarm des Amazonas, der zum Betrieb des Wasserkraftwerks „Belo Monte“ gestaut werden soll.  


brasil flussinsel
Foto: Carsten Upadek

Sônia Magalhães nennt den Xingu „Fluss der Indios“. Denn nirgends gebe es so viele geschützte Reservate brasilianischer Ureinwohner wie entlang dieses mächtigen Stromes, der im Bundesstaat Mato Grosso entspringt und nach knapp 2000 Kilometern in den Amazonas mündet. Drei der vier indigenen Sprachen werden allein entlang des Xingu gesprochen. Für die Ureinwohner ist er Quelle es Lebens – manchem Stamm ist der Fluss sogar heilig.
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Ägypten: Die Gewalt der Sicherheitsbehörden

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von Kristin Jankowski, Cairo

Die Blutspur zieht sich über den Tahrir-Platz. Es ist das Blut eines Demonstranten, der bei den gewalttätigen Ausschreitungen mit den ägyptischen Sicherheitskräften ums Leben kam. Am vergangen Freitag morgen wurde ein Sitzstreik vor dem Parlament von der Polizei brutal aufgelöst. Seitdem zeigt das ägyptische Regime, wie es mit denjenigen umgeht, die eine zivile Regierung und Freiheit in ihrem eigenen Land fordern.

Es wird mit Schlagstöcken auf wehrlose Frauen eingeschlagen, es wird mit Stiefeln auf Demonstranten eingetreten, die bereits verletzt am Boden liegen. Es werden Straßenkinder festgenommen und geschlagen. Es wird scharf geschossen. Es sind Bilder, die nicht nur Gänsehaut und Schauer erregen. Es sind Bilder, die Tränen in den Augen hervorrufen ....

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Foto: Amen Demos
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Ägypten: "Zeig mir dein Telefon!"

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von Kristin Jankowski, Cairo

13.04.2011
"Mit wem hast du gerade gesprochen ?" Ein Mann mit Schnauzbart und schwarzer Lederjacke stand vor mir. "Warum ?" fragte ich ihn. "Wem hast du gerade gesagt, dass Soldaten in das Gebaude gegangen sind ?" wollte er von mir wissen. Er sprach arabisch. "Ich verstehe dich nicht", log ich ihn an. "Zeig mir dein Telefon," forderte er mich auf. "Mit wem hast du gesprochen ?" fragte er weiter. "Ich verstehe dich nicht", lautete wieder meine Antwort. "Ich bin vom Militaer", gab er sich bekannt. "Mit wem hast du gesprochen ?" hakte er nach.  Es war 20 Uhr, Dienstag Abend der 12. April 2011.
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Ägypten: "Das alte Regime herrscht immer noch"

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von Kristin Jankowski, Cairo

10.04.2011
"Ich kann nicht verstehen, warum sie Patronen gegen uns einsetzen", sagte ein Demonstrant. Die Sonne war gerade aufgegangen und lukte zwischen den Haeusern hervor. Er sah muede aus, seine Augen waren geroetet. "Die Armee kam wie Adler von allen Seiten und hat uns  angegriffen. Ich habe mit meinen Freunden auf dem Tahrir-Platz gesessen. Und dann kamen sie von ueberall". Er schuettelt den Kopf, griff in seine Jackentasche und zuendete sich eine Zigarette an. "Wir haben friedlich demonstriert", fuegte er hinzu. Sein Freund stand neben ihm. Er schaute sich um. Es war Samstag, der 9. April 2011, kurz nach 7 Uhr morgens.  Ein Bus stand in Flammen. Dunkler Rauch zog ueber den Tahrir-Platz. Ich war muede, ich konnte nachts kaum schlafen - zu viele Schuesse waren zu hoeren.
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Ägypten: Nach der Revolte

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von Kristin Jankowski, Cairo

"Ich bin sehr traurig und wuetend", sagt Kirolos Nagy. Seine Stimme zittert. Er holt tief Luft : "Ich verstehe nicht, warum die Armee Maikel Nabil einsperrt. Nach welchem Gesetz hat das Militaer gehandelt ? Maikel ist seit vielen Jahren mein Freund. Ich weiss nicht, was mit ihm passieren wird. Das macht mir grosse Angst."

In der Nacht vom 28. auf den 29. Maerz 2011 hat das aegyptische Militaer den Blogger und Antimilitaristen Maikel Nabil festgenommen.

Maikel Nabil sass oft mit seinen Freunden in einem Strassencafe in der Naehe der  Boerse in Kairo. Es ist Cafe mit bunten Stuehlen und Plastiktischdecken. Maikel hat seinen Tee immer mit einem  Loeffel Zucker getrunken. Wenn er jemandem zur Begruessung die Hand gereicht hat, laechelte er und seine grossen braunen Augen funkelten.
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"Wir haben lange noch nicht gewonnen."

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Revolte in Ägypten - ein Tagebuch (IV)

von Kristin Jankowski, Cairo

Vom Dach aus konnte ich sehen, wie Soldaten gemeinsam mit einer Gruppe von Maennern am aegyptischen Museum vorbeirannten. Sie hatten die selbe Geschwindigkeit. Ihre Richtung: Der Tahrir-Platz. Dann verschwanden sie aus meinem Sichtfeld. Ich lief die Treppen hinunter, nahm mit einem Sprung mehrere Stufen. Ich oeffnete das grosse Eisentor, das auf die Strasse fuehrt. "Nein, nein", rief der Pfoertner. "Gehe nicht dort lang", rief er mir nach als ich in zum Tahrir-Platz gehen wollte. "Bitte komm zurueck", rief er.
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"Der Kampf um unser Land hat erst begonnen"

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Revolte in Ägypten - ein Tagebuch (III)

von Kristin Jankowski, Cairo

Am 11. Februar 2011 sass ich mit meinen Freunden in meiner Wohnung, wir hatten gerade unseren Kaffee ausgetrunken, als Omar Suleyman, Ägyptens Vize-Praesident vor die Kamera trat. Heidi sass neben mir, ich beobachtete ihr Gesicht genau. "Sag es, sag es" rief sie aufgeregt. Und dann sah ich, wie sich ihre Gesichszüge veränderten, sie nach Luft schnappte und sich zu mir drehte. Kurz bevor sie ihren Mund öffnete um mir zu übersetzen, was Omar Suleyman genau gesagt hat, hörte ich bereits Jubelschreie in der Strasse. Es war alles klar. Heidi, Belal und Kirolos sprangen vom Sofa auf: "Er ist zurückgetreten, Hosni Mubarak ist zurückgetreten," riefen sie. Wir umarmten uns und liefen hektisch durch meine Wohnung. "Schnell, schnell, schnell", sagte ich zu meinen Freunden. "Lasst uns schnell rausgehen".