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Downtown - New York. Hier, unweit des Central Parks, sind wir verabredet. Mit einem Ex-Mafia-Boss, einem Insider der über Wettmanipulationen im Tennis auspacken will. Sein Name: Michael Franzese. Mitte der 80-ziger Jahre wurde er als hochrangiges Mitglied der berüchtigten Colombo-Familie zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Seine Vergehen: Betrug und Erpressung. Auch das Manipulieren von Sportwetten gehörte zu seinem Millionengeschäft.
Michael Franzese (Ex-Mafia Boss):
„Sport weckt großes Interesse der Mafia, weil bei Sportwetten die Einnahmen extrem hoch sind. Sportler und ihr Umfeld haben Einfluss auf das Ergebnis und sind so Ziel von allen, die im Wettgeschäft tätig sind. Während meiner Zeit hatte ich einige Buchmacher, die für mich illegal Wetten annahmen. In Folge dessen platzierten Sportler bei ihnen Wetten. Wir haben diese Sportlern benutzt, die Ergebnisse von Spielen zu manipulieren."
Michael Franzese. Ein Ex-Mafiamitglied, der Klartext spricht. Der mit der Russen-Mafia Geschäfte gemacht hat. Sein Wissen ist brisant. So brisant, so dass ihn die Spielervereinigung ATP im März 2007 nach Miami einlud, um vor den Top-Spielern zu sprechen.
Michael Franzese:
„Sie kontaktierten mich, da ihre Sicherheitsabteilung herausgefunden hatte, dass einige Spieler mit Wetten ein Problem hatten. Meine Meinung ist, dass man die Sportler aufklären muss. Viele von ihnen verstehen nicht wie gefährlich es ist und das man es auf sie abgesehen hat. Sie werden hinters Licht geführt, sie treffen die falschen Leute, sie haben Schulden und bevor sie es wissen haben sie ein Problem."
„Die Profis bestätigten mir, dass ich Recht habe. Erstaunlicherweise sagten sie mir, dass es vor allem die russischen Spieler betrifft. Ich bekam E-Mails von Profis, in denen stand, dass sie von Kollegen wüssten, die angesprochen wurden und das sie selbst auch angesprochen wurden Matches absichtlich zu verlieren.
Frage: Hat ein Spieler Ihnen gesagt, dass er ein Spiel manipuliert hat?
Spieler sagten mir, sie wüssten von manipulierten Spielen. Sie selbst hätten es zwar nicht getan. Aber sie sagten mir ganz klar, dass es Wettmanipulation im Tennis gibt.
Der 29jährige argentinische Tennisprofi, Martin Vasallo Arguello, aktuell die Nummer 58 der Weltrangliste, war bis vor Kurzen noch Gegenstand einer Untersuchung der ATP zum Thema Wettbetrug. An Franzeses Vortrag in Miami kann sich Martin Vasallo Arguello noch gut erinnern.
Martin Vasallo Arguello (Tennisprofi)
„Was er sagte, hörte sich mehr nach Fernsehen an, als aus dem wahren Leben. Ich denke, er wollte auf die Gefahren hinweisen, die von Wettern ausgehen und wie gefährlich es für uns Spieler ist, sich mit ihnen abzugeben. Er wollte uns wohl etwas Angst machen."
Michael Franzese (Ex Mafia-Boss)
„Die Mafia würde jedes Match beeinflussen, wenn sie nur könnte. Die russische Mafia ist auf jeden Fall dabei. Und auch Mafia hier in den Staaten - wenn sie die Finger an einen Tennisspieler bekommt. Da können Sie sich absolut sicher sein. Mein Vater ist immer noch der Unterboss der Familie, ich bekomme dadurch noch viel mit. Glauben Sie mir, Tennisspieler sind eine Zielgruppe der Mafia."
Martin Vasallo Aguello. Sein Spiel gegen den Top-Ten Spieler Nikolai Davydenko am 02. August 2007 im polnischen Sopot hatte die Diskussion über Wettmanipulationen im Tennis ausgelöst. Damals wurden allein beim britischen Wettanbieter betfair über sieben Millionen Dollar auf das Spiel gesetzt. Das Meiste davon auf einen Sieg des argentinischen Außenseiters.
Der Wettquotenverlauf spricht eine deutliche Sprache. Den ersten Satz gewinnt der Russe Davydenko erwartungsgemäß. Als er im zweiten zurückliegt, werden in wenigen Minuten über 700 000 Dollar platziert. Wie sich später herausstellt: von drei in Russland registrierten Betfair-Konten. Die Wettquoten kippen, plötzlich ist der Außenseiter Varsallo Aguello der Favorit. Der Wettanbieter betfair setzt das Spiel aus.
Im dritten Satz gibt Nikolai Davydenko beim Stand von 1:2 wegen einer Verletzung auf.
Haben die Wetter das gewusst? Wollte Davydenko absichtlich verlieren? Wurde der Russe gar erpresst?
Vierzehn Monate untersuchte die ATP die Vorgänge von Sopot.
Schließlich wurden beide Spieler freigesprochen.
Vasallo Aguello
„Es war das erste Mal dass die ATP eine Untersuchung in diesem Ausmaß vorgenommen hat. Es war gut, dass sie sich mehr als ein Jahr Zeit gelassen haben, um alle Quellen auszuwerten.
„Wir haben die Ermittlungen aktiv unterstützt und waren schließlich froh, dass die ATP herausgefunden hatte, dass wir mit all dem nichts zu tun hatten."
Michael Franzese:
„Wissen Sie, wo Rauch ist, da ist auch Feuer. Wo solche Summen gesetzt werden ist die organisierte Kriminalität nicht weit. Die Untersuchung der ATP hat zwar nichts ergeben, aber bei mir gingen bei diesem Fall alle Alarmglocken an. Die organisierte Kriminalität muss hier ihre Hände mit im Spiel gehabt haben."
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